Interview mit den Gründern von QChamberStream

Von Juli 23, 2020 Unkategorisiert

Liebe Tanja Dorn, danke, dass Sie sich für dieses Gespräch Zeit genommen haben! Unser chinesisches Publikum ist sehr gespannt darauf, mehr über Sie als Mitbegründerin von QChamberStream zu erfahren.

TD: Wie geht es Ihnen seit Beginn der Pandemie? Was hat sich in Ihrem Leben verändert?

Die größte Veränderung ist, dass wir derzeit keine Live-Konzerte in verschiedenen Ländern besuchen, keine Reisen mehr unternehmen, um unsere Künstler persönlich zu treffen und mit unseren Geschäftspartnern neue und aufregende Projekte zu ersinnen. In den letzten 15 Jahren war ich für gewöhnlich einen Großteil des Jahres unterwegs. Ich freue mich jetzt besonders darauf, in 4 Wochen nach Salzburg zu reisen und einen Beethoven-Liederabend unseres Pianisten Jan Lisiecki mit dem Bariton Matthias Goerne zu hören.

Es ist allerdings erstaunlich, wie unfassbar schnell und gut alle unsere Kontakte auf einmal erreichbar sind. Das ist wirklich toll. (Dass meine 11-jährigen Zwillingssöhne zu Hause anstatt in der Schule sind, ist auf jeden Fall eine Umstellung für mich, und für die beiden sicherlich auch)

Bei Dorn Music haben wir Wege gefunden, diese ungewöhnliche Zeit auf sehr kreative Art zu nutzen. Wie so oft kam uns eine Idee, die wir einfach gerne mal ausprobieren wollten – also haben wir sie in die Tat umgesetzt. Als Team sind wir in den letzten Monaten noch enger zusammengewachsen. Ich bin wirklich sehr glücklich, so wunderbare, talentierte, enthusiastische und tolle Menschen zu haben, die unser Team bei Dorn Music ausmachen.

 

Sie leiten mit Dorn Music eine der weltweit führenden Künstleragenturen. Wie kamen Sie darauf, QChamber zu gründen?

TD: Es war uns wichtig, Musik und Kunst auf höchstem Niveau sowohl zu schaffen, als auch zu unterstützen. Insofern war die Gründung von Q ein ganz natürlicher und logischer Schritt. Der Name war Bernhards Idee, und er gefiel dem gesamten Team auf Anhieb. Ich fühle mich sehr privilegiert, dass Dorn Music wirklich ein völlig globales Unternehmen ist, und gleichzeitig haben wir auch sehr hart für dieses Ziel gearbeitet. Aber genauso ist es ein lokales Unternehmen! Aus diesem Grunde war es uns ein wichtiges Anliegen, ortsansässige Künstler in Niedersachsen, wo unser deutsches Büro ist, zu unterstützen. Kurz vor Beginn des Lockdowns in Deutschland hatten wir die Idee zu einem Benefizkonzert, um Spenden für freischaffende Musiker zu sammeln. Wir konnten fast 10.000 Euro an Spenden verzeichnen, was uns wahnsinnig glücklich gemacht hat.

Wir haben die gesamte Produktion in nur sechs Tagen auf die Beine gestellt. Die Synergien dabei waren einfach fantastisch — zu sehen, wie alle für dieses Ziel zusammenkamen. Die Hannoversche Allgemeine Zeitung, das concerti Magazin, der Violin Channel in New York und der Kanal unseres engen Freundes Sam Su in China haben uns alle ohne zu Zögern unterstützt und unseren Stream auf Ihren Kanälen gezeigt, sodass man unser Online-Konzert aus der Villa Seligmann wirklich weltweit live verfolgen konnte.

Das Kuss Quartett spielte Beethoven. Natürlich wäre dies alles ohne die Partnerschaft von Bernhard Fleischer und seiner Firma BFMI nicht denkbar gewesen. Der Livestream hat fast 60.000 Zuschauer weltweit erreicht. Die Menschen waren besonders davon begeistert, dass die Übertragung in so vielerlei Hinsicht von absolut höchster Qualität war — musikalisch, ästhetisch, technisch und natürlich auch, was den wunderbaren Spielort angeht. Diese Erfahrung und der Zuspruch des Publikums hat Bernhard und mich Ende März 2020 dazu bewogen, QChamberstream ins Leben zu rufen.

 

Die QChamber hat seit der Gründung im April bereits hervorragende Ergebnisse erzielt, nicht nur in Bezug auf das eigentliche Streaming und die Reichweite der Konzerte. Wir haben auch gesehen, dass ein großer Prozentsatz der Zuschauer während der gesamten Dauer des Streams dabei bleibt, was ungewöhnlich selten ist. Was ist Ihrer Meinung nach der Grund dafür?

TD: Die Partnerschaft zwischen Dorn Music und BFMI spielt dabei eine ganz entscheidende Rolle: Unser vereintes Fachwissen, das tiefgreifende Verständnis der internationalen Konzertszene, unser Quäntchen Wahnsinn, die Tatsache, dass wir beide ein “Nein” als Antwort eher nicht gelten lassen, dann unsere Begeisterung und Freude an der Musik — dies alles ist eine ziemlich coole, vielleicht die ideale Konstellation…

Wir haben die gleichen Ziele, gleiche Vorstellungen von Exzellenz, Qualität und dem Streben nach Perfektion, und wollen für den Zuschauer ein besonderes, bedeutungsvolles Erlebnis schaffen während wir den Künstlern eine einzigartige Plattform bieten, um ihre Kunst zugänglich zu machen.

Qualität ist das Einzige, was zählt, und das ist auch für unser Publikum sofort ersichtlich. Ich bin davon überzeugt, dass dies der Grund ist, warum sie zu uns bei QChamber stoßen und uns dann auch auf dieser Reise treu sind. Die Begeisterung und der Zuspruch sind sehr groß, was uns alle wirklich glücklich macht.

 

Wie beeinflusst oder verändert das Live-Stream-Format Ihrer Meinung nach die Musikindustrie in diesen Zeiten und was ist die Besonderheit an QChamber?

TD: In einer Zeit, in der nur ein reduziertes Publikum im Konzertsaal sein kann, ist eine Kombination aus tatsächlich anwesendem und virtuellem Publikum das einzige denklogische und dauerhaft wirtschaftlich tragfähige Modell.

Q ist auch ein hervorragendes Werkzeug, um das Publikum jedes Einzelkünstlers genauer kennenzulernen, und damit auch sein Entwicklungspotenzial.

Wir haben große Freude daran, maßgeschneiderte digitale Kampagnen für jeden Künstler zu entwickeln. Das ist eine wunderbare Möglichkeit, sowohl für den Künstler als auch für das Publikum. Bei Q können Sie den Künstler vor dem Livestream wirklich kennen lernen.

 

Wie wählen Sie die Künstler und Drehorte für Ihre Streams aus? 

TD: Auch hier gilt – höchstes Qualitätsniveau ist die oberste Regel (-:

 

Wie sieht der Plan für QChamber bislang aus, sehen Sie Entwicklungsmöglichkeiten speziell in China? 

TD: Wir freuen uns besonders, dass QChamberstream nun auch in China verfügbar ist. Das ist absolut großartig. Meine Hoffnung und mein Wunsch wären es, soweit zu expandieren, dass wir eine Plattform des kulturellen Austauschs speziell zwischen China und Europa schaffen. Wir könnten chinesische Künstler dem europäischen Publikum vorstellen, und umgekehrt. Wir haben jetzt schon so viele Ideen und können es kaum erwarten, Partnerschaften zu den wunderbaren Künstler aufzubauen und sie kennenzulernen — vor allem die jüngere Künstlergeneration, die sich in der Obhut all der wunderbaren Lehrer in China befindet.

 

Könnten Sie sich vorstellen, außer Konzertstreams künftig auch weitere Inhalte anzubieten?

TD: Natürlich! Man könnte beispielsweise virtuelle Meisterklassen veranstalten oder Auftritts-, Management- und Programmcoaching anbieten, falls das chinesische Publikum interessiert ist.

 

Sie präsentieren am 19. Juli mit Xinyuan Wang Ihren ersten chinesischen Künstler aus einer so inspirierenden und geschichtsträchtigen Stadt wie Meiningen. Was erwarten Sie von diesem Rezital?​

TD: Es ist wunderbar, dass Xinyuan mit Paul Lewis und Imogen Cooper so fantastische Unterstützer hat. Beide haben uns so großartige und berührende Videobotschaften geschickt, in denen sie ihrer Begeisterung für seine tiefgründige Kunst und Persönlichkeit Ausdruck verleihen.

Ich freue mich sehr darauf, seine einzigartige Klavierkunst und Sensibilität am Sonntag in Meiningen live zu erleben, und ich hoffe, dass Sie dabei sind!

 

Sie sind führende und hocherfahrene Künstlermanagerin und selbst ausgebildete Konzertpianistin. Was würden Sie in diesen beispiellosen Zeiten Ihren Kollegen und Künstlern in aller Welt raten?

TD: Ich hoffe, dass wir so positiv, fröhlich und kreativ wie möglich bleiben, und gemeinsam Wege suchen, die Welt der klassischen Musik zu überdenken und sie besser und spannender zu machen, und vor allem mehr Möglichkeiten für junge Künstler zu schaffen. Jetzt ist der richtige Zeitpunkt, unsere geballte Energie für diese Ziele einzusetzen.

Auch wenn es manchmal beängstigend ist, müssen wir weiterhin große Träume spinnen und Wege finden, diese auch in die Tat umzusetzen.​