Interview mit den Gründern von QChamberStream

Von Juli 23, 2020 Unkategorisiert

Lieber Bernhard Fleischer, danke, dass Sie sich für dieses Gespräch Zeit genommen haben! Unser chinesisches Publikum ist sehr gespannt darauf, mehr über Sie als Mitbegründer von QChamberStream zu erfahren.

Wie geht es Ihnen seit Beginn der Pandemie? Was hat sich in Ihrem Leben verändert?

Bernhard Fleischer: Danke für die Einladung zum Gespräch. Die Veränderungen waren groß und gleichzeitig kaum merklich. Im Grunde genommen haben wir den gleichen Arbeitsaufwand, für viel weniger Lohn.

 

Zusammen mit Ihrem Team bei BFMI sind Sie natürlich eine der führenden Persönlichkeiten der weltweiten Produktionsszene in der klassischen Musikwelt. Ist diese Arbeit am QChamber-Format im Hinblick auf das Live-Streaming neu für Sie? 

BF: Wir machen seit 2015 Live-Streams für andere Plattformen wie z.B. Medici.tv. Wir wollten eigentlich nie “unsere eigene” Plattform schaffen, aber haben schnell bemerkt, dass wir das, was wir machen wollen, nur selbst und zusammen mit einem starken und zuverlässigen Partner wie Dorn Music bewerkstelligen können.

 

Sie leiten ein hochprofessionellen Produktionsteam — was bedeutet für Sie das “Q” in QChamber?

BF: Q bedeutet Qualität! Sowohl in Bezug auf die musikalische Darbietung als auch auf den technischen Aspekt der Übertragung und die filmische Qualität. Kamera, Licht, Ton und Schnitt sind entscheidend!

 

Wie viele Mitarbeiter sind an einem QChamber-Stream beteiligt? Wie lang ist die Vorbereitungszeit für jedes Stream? 

BF: Wir bereiten uns permanent vor. Das Team besteht aus etwa 10 Personen.

 

Die QChamber hat seit der Gründung im April bereits hervorragende Ergebnisse erzielt, nicht nur in Bezug auf das eigentliche Streaming und die Reichweite der Konzerte. Wir haben auch gesehen, dass ein großer Prozentsatz der Zuschauer während der gesamten Dauer des Streams dabei bleibt, was ungewöhnlich selten ist. Was ist Ihrer Meinung nach der Grund dafür? 

BF: Es ist immer eine Kombination aus der musikalischen Darbietung und der richtige Menge an Augenschmaus durch den Schnitt, die das Publikum bei der Stange hält.

 

Wie beeinflusst oder verändert das Live-Stream-Format Ihrer Meinung nach die Musikindustrie in diesen Zeiten?

BF: Das bleibt abzuwarten. Unsere Aufgabe ist es, das Programm so zu präsentieren, dass das Publikum gewillt ist, für eine Präsentation zu zahlen.

 

Unser chinesisches Publikum ist sehr interessiert an Ihren Dokumentationsproduktionen mit chinesischen Künstlern wie Lang Lang und Yuja Wang. Könnten Sie einige Ihrer Erfahrungen aus der Zusammenarbeit mit ihnen mitteilen?

BF: Oh, Lang Lang ist ein wunderbarer Mensch und Kollaborateur. Ich habe jede Minute unserer Arbeit genossen. Ich hoffe wirklich, dass ich so bald wie möglich wieder mit ihm zusammenarbeiten kann. Yuja, oh mein Gott. Wir hatten eine großartige Zeit bei der Produktion ihres Dokumentarfilms und auch bei ihrem Debüt bei den Salzburger Festspielen, dessen Übertragung wir produzieren durften. Sie ist spektakulär! Sie ist auch Teil unserer jüngsten Dokumentation über die Hundertjahrfeier der LA Phil teil.

 

Wie sieht der Plan für QChamber bislang aus, sehen Sie Entwicklungsmöglichkeiten speziell in China? 

BF: Auf jeden Fall. Wir werden eine kurze Sommerpause einlegen und sehen, wie wir den chinesischen und internationalen Markt weiter erkunden können. Chinesische Künstler gewinnen aus den richtigen Gründen immer mehr an Zugkraft, und wir möchten den Reichtum der Kammer- und Rezitalmusik mit unseren chinesischen und internationalen Fans teilen.

 

Sie präsentieren am 19. Juli mit Xinyuan Wang Ihren ersten chinesischen Künstler aus einer so inspirierenden und geschichtsträchtigen Stadt wie Meiningen. Was erwarten Sie von diesem Rezital?​

BF: In erster Linie erwarten wir eine wunderbare Interpretation des Repertoires von Xinyuan. Wir sehen diese Präsentation als eine musikalische Brücke von Deutschland nach China mit einem großen chinesischen Künstler, der an einem der historischsten Theater in ganz Deutschland auftritt. Die Geschichte Meiningens kann man nicht genug hervorheben. Brahms, Wagner, Bülow spielten dort eine große Rolle.

 

Würden Sie als führender Filmproduzent – und somit bester Zeuge der Entwicklung und des Wandels der Musikbranche – in diesen beispiellosen Zeiten ein wenig von Ihren Gedanken mit Ihren Kollegen und Künstlern in aller Welt teilen?

BF: Ganz einfach: Einfach mit Ausdauer, Herz und Seele immer weiter an dem arbeiten, was man liebt. Der Rest wird sich von selbst erledigen! Pandemie oder nicht, Finanzkrise oder nicht – es macht wirklich wenig Unterschied.​